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Praktikumsbericht "Interkulturelle Zusammenarbeit am Beispiel der Gaiatreeschool"

Sabine hat ihren Praktikumsbericht zur Begutachtung ihren Professoren vorgelegt. Unter dem Titel: „Interkulturelle Zusammenarbeit in Non Profit-Organisationen in Indien am Beispiel der Gaiatree Foundation“ hat sie ausgehend von der Personenkonstellation und den Rahmenbedingungen der Gaiatree Foundation die Besonderheiten der interkulturellen Zusammenarbeit dargestellt. Hierzu hat sie zuerst die kulturellen Hintergründe der involvierten Personen unter Zuhilfenahme von Dimensionsmodellen der Interkulturalität beleuchtet. Basierend darauf wurden die auf den kulturellen Differenzen beruhenden Probleme identifiziert, sowie ihre Auswirkungen auf die einzelnen Funktionsbereiche der Gaiatree Foundation an konkreten realen Fallbeispielen nachvollzogen. Außerdem wurden die bisher eingeleiteten Lösungsansätze beschrieben. Ziel des Berichts ist das Aufzeigen und Erläutern neuer Lösungswege, die in Zukunft in der Gaiatree Foundation umgesetzt werden können, um die interkulturelle Zusammenarbeit weiter zu erleichtern.
Sabine hat beobachtet, dass es bei der interkulturellen Zusammenarbeit in der Gaiatree Foundation in vielen Punkten zum Teil gravierende Differenzen gibt. Diese hat sie den Schwerpunktbereichen: Kommunikation, Organisation, Geschlechterrollen, Hierarchien und Bürokratie, Vorurteile und Erwartungen, Umgang mit Konflikten, Selbstständigkeit und Proaktivität, Selbsteinschätzung zugeordnet.
Ein großes Problem z.B. ist das Fehlen einer gemeinsamen Sprache. Englisch wird zwar von den meisten Beteiligten gesprochen ist aber für niemanden die Muttersprache. So kommt es nicht selten zu Missverständnissen. Demzufolge empfiehlt Sabine dringende sprachliche Fortbildungen. In Fragen der Organisation und Hierarchien unterscheiden sich die Arbeitsansätze von Indern und Deutschen erheblich. Die indische Gesellschaft ist von Grund auf hierarchisch und autoritär organisiert. Entsprechend ist der von den deutschen Projektpartnern Anke und Mike gewünschte Beratungsansatz oft nur schwierig zu verwirklichen und so wird ihre Rolle manchmal auch als Kontrolle wahrgenommen, was die persönlichen Beziehungen belasten kann.
In ihrer Arbeit hat Sabine viele konkrete Beispiele aufgeführt, die mit den Projektpartnern nun besprochen werden. Das ist für die weitere positive Entwicklung des Projektes eine gute Basis, vor allem für den ehrlichen und transparenten Umgang miteinander. Vor dem Hintergrund, dass Inder Konflikte vielfach eher meiden, als sie zur Lösung zu bringen, scheint auch dies schwierig. Die Ursache hierfür sieht Sabine in der starken Beziehungsorientierung der indischen Gesellschaft. Hier werden Probleme für sich behalten und Diskussionen vermieden, damit persönliche Beziehungen nicht unnötig strapaziert werden. Für uns Deutsche gibt’s da noch eine Menge zu lernen, vor allem jedoch Toleranz und Empathie. Der Prozess der Annäherung steht am Anfang.
Allen Außenstehenden vermittelt diese umfassende Arbeit einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise, die Projektarbeit, die zwischenmenschlichen Beziehungen, die täglichen Probleme und Tücken vor Ort. In ihrer Arbeit zeigt Sabine neben Lösungsansätzen und Erfolgen auch die Schwierigkeiten, mit denen eine solche Vision verbunden ist und macht zugleich den Willen und den Kampf aller Beteiligten um gute Lösungen deutlich. Jene, die selbst vor haben in Indien oder auch in der Gaiatreeschool mit zu helfen, stellt diese umfassende Basisarbeit eine gute Vorbereitung und Einstimmung dar. Für uns, die Akteure vor Ort, ist dies eine Art Spiegel und enthält eine Reihe von guten Lösungsansätzen für die Zukunft.
Dir Sabine, ganz herzlichen Dank für diese interessante Draufsicht und die Einsichten in unsere Arbeit.

P.S. Die gesamte Arbeit steht auch auf unserer Homepage zum Lesen zur Verfügung. Ein wahrer Fundus für alle Indienreisenden, Freiwillige oder auch Menschen die in anderen Projekten tätig sind.
Bericht zum downloaden
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Wenn der Eismann kommt…

Der Abschlusskreis in unserer Gaiatreeschool ist noch nicht zu Ende, da beginnt Swadim, unser kleiner Zappelphilipp, schon auf seinem Hintern hin und her zu wackeln. Als dann das alles erlösende OM ausklingt, sind auch die anderen Kinder außer Rand und Band. Ich kann die Aufregung noch nicht verstehen, offensichtlich haben die Kinder etwas bemerkt, was meinen Ohren bis dahin verschlossen blieb. Kurz vor Schulende, wenn die Sonne fast im Zenit steht und die Temperaturen mittags die 40 Grad-Grenze überschreiten, darf er nicht fehlen. Der Eismann. Für einen Moment bin ich Kind, sehe mich wieder in der Schulbank und kann die Freude der Kinder nachempfinden. Die indische Version des Eismannes radelt ökologisch korrekt mit dem Fahrrad.
Wenn er seine tägliche Runde durch die umliegenden Dörfer macht, kommen schon mal gut dreißig Kilometer zusammen, weiß er mir stolz zu berichten. Auf dem Gepäckträger steht ein etwas heruntergekommener, leicht rostiger Blechkasten und rechts und links tropft es orange- grün-blau aus den fingerbreiten Ritzen. Die Kinder stürzen sich indes auf ihn, reißen ihn fast um und es herrscht tosende Aufregung, als er den Blechdeckel nach oben klappt. Der Eisverkäufer selbst - ein wirkliches Original - lässt mich schmunzeln. Den Hals und das Gesicht eingemummelt in einen dicken Schal wie im tiefsten Winter und wie zum Trotz dazu eine riesige Sonnenbrille auf der Nase, lächelt er fast zahnlos, als ob er sich der Kuriosität seines Äußeren bewusst sei. Egg, tho, thin ... Eins, zwei, drei Bündel Eis reicht er den Kleinen, die das Innere des Blechkastens nicht sehen können. Die Kinder wissen, dass sie das Eis schnell vertilgen müssen, bevor es ihren in den Händen zerrinnt. Wir probieren es ebenfalls, auch wenn wir uns der Gefahr des halbgefrorenen Zuckerwassers für europäische Mägen bewusst sind. Die Eltern der Kinder warten derweil am Eingang der Schule. Heute ist ihr letzter Schultag vor den Sommerferien.
Ein Jahr Gaiatreeschool liegt nun hinter uns. In einer ersten Feedbackrunde sammeln wir gemeinsam Gedanken dazu. Der Schulstart vor einem Jahr war verregnet, wir waren unsicher, ob unser Konzept der Altersmischung und des offenen Unterrichts auch hier aufgeht, unserer Lehrer bereit und fähig sind so viel Neues zu lernen und die Eltern uns die Treue halten werden. Auch die Finanzierung war unsicher. Ein Jahr danach können wir sehen, dass unsere Vision schrittweise in Erfüllung geht. Die Zahl der Anmeldungen ist deutlich höher als unsere Kapazität. Babloo und Sadananta werden im neuen Schuljahr einen richtigen Arbeitsvertrag erhalten. Sie sind glücklich, nun ein regelmäßiges Gehalt von 2000 Rupie im Monat (35 Euro) zu bekommen, wissen aber auch, dass sie dafür hart arbeiten müssen. Sechs Tage die Woche jeweils neun Stunden, und wenn nötig wird sonntags zusammen die nächste Woche vorbereitet. Nicht nur das Unterrichten gehört zu ihren Aufgaben. Es wird jede Hand gebraucht, wenn der Bau vorangeht, das Dach undicht ist oder das Gelände sauber zu halten ist. Einen Hausmeister wollen wir uns noch nicht leisten und außerdem steht ihnen auch noch Rita, unsere indische Praktikantin, zur Seite. Im Juni wird die bestehende Lerngruppe mit 11 neuen Kindern von drei bis fünf Jahren aufgefüllt. Wir suchen dafür noch Paten in Deutschland und Indien. Mehr Informationen dazu gibt es auch auf www.gaiatreeschool.org .
Der letzte Schultag war für alle ein ganz besonderer. In unserer Heimat war Karfreitag. In Indien wird der Beginn des Osterfestes nicht nur von den Christen zelebriert, sowie auch Ramadan nicht ausschließlich den Moslems zum Fasten vorbehalten ist. Im Land der Religionen, unzähligen Kulturen und tausend Götter werden die meisten Feste gemeinsam gefeiert und im Grunde ist das ganze Jahr Feiertag. Häufig dreht sich dann alles ums Essen, es werden Freunde eingeladen und man geht in den Tempel, um die Götter positiv zu stimmen. Unsere Kinder haben den Vormittag genutzt, um am Straßenrand einen provisorischen Unterschlupf zu bauen. Mit der Unterstützung ihrer Lehrer haben sie die Materialien zusammengesucht. Bambusrohre für das Gestell, ein paar Blätter und Gestrüpp vom nahen Neembaum als Dach, Holzstücken als Stützen. Das so errichtete Schattenplätzchen diente dann als Kühlraum für zwei riesige Tonbehälter, die mit Wasser gefüllt wurden. Jeder Besucher der Schule, die Eltern und Vorbeikommende bekamen einen Becher frisches Wasser gereicht. Auf einer Bastmatte konnten sie einen Augenblick ausruhen, bis sie ihren Fußweg ins nächste Dorf wieder fortsetzen konnten. Wasser hat neben dem lebenspendenden Charakter eine symbolische, ja spirituelle Bedeutung in Indien. Es dient der inneren Reinigung, ist das Symbol für Fruchtbarkeit und Liebe. Wen jemandem Wasser gereicht wird, dann bringt man ihm gegenüber seine Hochachtung zum Ausdruck. Die Kinder hatten viel Freude und konnten spüren, welche Dankbarkeit ihnen entgegengebracht wurde. Im Abschlusskreis äußerten sie sich glücklich, der Stolz war ihnen anzusehen. An unserer Gaiatreeschool ist eine neue Tradition geboren. Immer am Karfreitag werden sie den Gästen an der Straße nun frisches Wasser geben.
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Ausnahmezustand für eine Nacht

„Wir sind die Welt.“, so titelt die indische Boulevardpresse am Tag danach. Indien hat Anfang April die Kricketweltmeisterschaft gewonnen. In den Metropolen in Mumbai, Delhi oder Kalkutta wird in der Nacht ausgelassen gefeiert, die Straßen sind voll von Menschen, es wird gesungen und getanzt. Ein ganzes Volk ist im Rausch- Ausnahmezustand. Zum Halbfinale zwei Tage zuvor, als Indien den Erzfeind Pakistan besiegte, gab es lokale Ausschreitungen und Gewalt.
Auch in unserem Nachbardorf Danamal drängen sich kricketinteressierte Männer vor den Bildschirmen zusammen. Es gibt einige, die inzwischen einen Fernseher haben, so auch die Familie des vierjährigen Samya, ein schmächtiger kleiner Bursche, der in unsere Gaiatreeschool geht. Wie die meisten kleinen Inder in seinem Alter träumt auch er davon, eines Tages als Batsman (Schläger) oder Bowler (Werfer) im Boundary (Kricketspielfeld) zu stehen um Punkte oder Runs für sein Land zu schlagen. Samyas Vater kann als Taxifahrer ein regelmäßiges Einkommen nach Hause bringen. 1200 Rupie im Monat, das sind zirka 25 Euro. Die müssen reichen, um die Familie zu ernähren. Auch für indische Verhältnisse ist das sehr wenig. Seine Mutter ist zu Hause mit den zwei Kindern.

Als das Spiel nach knapp neun Stunden zu Ende geht, jubelt eine ganze Nation und feiert ihre Helden. Heldentaten verrichten tagtäglich die etwa 70% der Bevölkerung Indiens, die auf dem Lande leben.
Harry zum Beispiel, Samyas Onkel, der mit seinen zwei Kindern gleich nebenan wohnt, verlässt das Haus morgens 3:00 Uhr um Backsteine aus Lehm zu formen, zu trocknen und anschließend zu brennen. Kurz vor der großen Hitze im Mai ist das eine gute Einnahmequelle. Der Lehm ist noch weich und die intensive Sonne trocknet die vorgeformten Quader schnell. Für jeden Stein gibt’s dann eine Rupie. Insgesamt 7500 wird er herstellen. Seine Steine kaufen wir ihm diesmal ab, um auf unserem Schulgelände ein kleines Familienhaus zu bauen. Dort wird dann eine Farmerfamilie einziehen, die uns bei der Kultivierung unseres geplanten Ökogartens hilft und gleichzeitig unsere Schule bewacht.
Die meisten Familien in Danamal arbeiten als Farmer. Sie haben etwas Land und bewirtschaften dieses zur Eigenversorgung. Gemüse, Dal (Linsen) und Getreide werden jetzt angebaut. Die Ernte muss vor dem Monsun Anfang Juli eingebracht sein. Dann werden Reispflanzen gesetzt. Der Monsun mit seinem lebensspendenden Wasser auf der einen und den verheerenden Fluten auf der anderen Seite bestimmt den Jahresrhythmus hier auf dem Land.
Viele der Frauen aus den umliegenden Dörfern sind jetzt mit dem Aufsammeln der Früchte des Mahua-Baumes beschäftigt. Dazu gehen sie für mehrere Tage in die nahegelegenen Berge von Harishankar. 17 bis 18 Rupien bringt ein Kilo Trockenfrüchte ein. Im April ist das oft die einzige Einnahmequelle für sie. Die Früchte werden dann zur Herstellung von hochprozentigem Alkohol verwendet, der ein großes Problem darstellt. Vor einem Monat ist der Vater von Sadananta – Lehrer an unserer Schule – plötzlich über Nacht verstorben, nachdem er heftiges Sodbrennen hatte. Es wird vermutet, dass er den Alkohol unverdünnt getrunken und sich dadurch mehr und mehr seine Magenschleimhaut aufgelöst hat. Das Brennen von Alkohol ist streng verboten und wird sogar mit Gefängnisstrafen geahndet.
Ein zweites Problem können wir allabendlich von Vishwaneedam aus beobachten. Die Frauen legen an den Hängen riesige Feuer, um die Laubschicht zu beseitigen. Das erleichtert ihnen das Aufsammeln der kleinen gelben, fürchterlich stinkenden Früchte. Die Brandrodung vernichtet aber nicht nur die Laubschicht, sondern auch das Unterholz und die Kraut- und Strauchschicht des hochsensiblen Waldes. In den Bergen von Harishankar wachsen endemische Pflanzen, die zur Herstellung ayurvedischer Medizin (traditionelle indische Medizin) verwendet werden. Der indische Staat verbietet deshalb strickt die Brandrodung. Aber die Verantwortlichen in diesem Teil Orissas schauen zu oder besser weg.
Dabei sind die Probleme im District Balangir, wie die extreme Armut, Hunger, Malaria oder der niedriger Bildungsstand längst bekannt. Schon vor Jahren wurde dazu eine Stabsstelle mit eigenem Budget eingerichtet. Sie soll den Menschen vor Ort helfen und die Korruption beseitigen. In den staatlichen Förderprogrammen steht, dass jede Familie, die unterhalb der Armutsgrenze lebt (12.000 Rupien Jahreseinkommen, das sind zirka 200 Euro Zuschüsse bekommt. Für Arbeitslose stehen Jobs zur Verfügung und es gibt zinsgünstig Kleinkredite. Von all dem Geld und der Hilfe kommt aber nichts bei den Betroffenen an.
Letzte Woche rief der Kollektor vom District Balangir (vergleichbar Landrat) bei Ananta an und bat ihn um Unterstützung. Er hat von den Aktivitäten in Vishwaneedam erfahren und möchte diese gern unterstützen. In den nächsten Wochen werden wir nun in den Nachbardörfern hilfebedürftige Familien ausfindig machen und sie direkt an die Stabsstelle melden. In unserer Gaiatreeschool betrifft das schon allein 10 von 12 Familien. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass dies ein Ausnahmezustand ist und das in Zukunft auch für diese Menschen Hoffnung besteht.

Kopfschütteln bedeutet Ja und Nein

von Mike Wohne in der Sächsischen Zeitung am 27.01.2011

Mike und Anke Wohne aus Zittau bauen in einer der ärmsten Regionen Indiens eine freie Schule auf. In der SZ berichten sie davon. Der neue Tag hat gerade begonnen. Der russische Airbus SU 116 nach Moskau hebt ab. Unter uns versinkt Deutschland im Schnee, hinter uns liegen vier Wochen Urlaub in der Heimat. Vor uns ein weiteres Abenteuer. Meine Erinnerung an die erste Begegnung vor 17 Jahren ist taufrisch oder eher wässrig warm, wie die Luft der Tropen, die einen beschnuppert, mit einem spielt und durchdringt. Es ist jene schmutzig süßliche Luft, die mich erregt, begeistert und von je- her anzieht. Das Land der Gurus und
Sadhus liebt oder hasst man, ein Dazwischen gibt es nicht. Ungezählt sind unsere Reisen als Backpacker durch den indischen Subkontinent vom südlichen Kap Komorin bis in den Himalaya, von den Westghats bis an den Ganges nach Benares, wo alles Leben dieser Erde sein Ende und seinen Anfang nimmt. Hier glauben die Menschen daran, dass sie wieder geboren werden und dass ihre guten Taten sowohl Diesseits als auch im Jenseits Bestand haben. Sie nennen es Karma. Es scheint, als strebe ein geduldig ertragendes Milliardenvolk, wurzelnd auf dem uralten Wissen des Yoga, mit der karmisch beladene Last des Vergangenen und einer sinnlich religiösen Hoffnung auf eine bessere Zukunft, nach den Früchten der Gegenwart. Der große Traum vom eigenen Auto, vom Leben in Reichtum und Luxus beherrscht auch hier das 21. Jahrhundert. Indien befindet sich, wie alle Länder dieser Erde im Kampf um Märkte, Rohstoffe, Konsum und Wissen. In intellektuell politischen Kreisen spricht man von der Marke „Made in India“ so wie einst von „Made in Germany“.
Das Straßenbild Indiens ist geprägt von farbenprächtigen Saris der Frauen, dem indischen Symbol von Stolz und Eigensinn, von Frohsinn und Kreativität. Sich auf Indien einzulassen, verlangt Mut, da es einer Begegnung mit der Vergangenheit gleich kommt. Fernab vom Schickimicki der Großstädte, den touristischen Hoteltempeln, den klimatisierten Reisebussen mit getönten Scheiben, der Moderne einer aufflammenden Mittelschicht zeigt sich Indien in seiner vollkommenen Nacktheit. Wir sind nach so vielen Jahren des Umherreisens erst jetzt angekommen. Willkommen in Indien.
2003 zog es unsere Familie schon einmal für sechs Monate nach Auroville in den Süden, dem weltweit größten Experiment, bei dem der Homo sapiens selbst Objekt der Forschung ist. Hier leben Menschen zusammen, die den Glauben an eine bessere Welt nicht aufgegeben haben. In Auroville verstand ich, dass wir nicht nur eine Heimat haben können. Hier fand ich meinen Weg zur Meditation und zum Yoga, hier formte sich unser Traum, einmal für längere Zeit nach Indien zu gehen. Seit fünfzehn Monaten leben wir in Orissa, in Vishwaneedam, nahe der Grenze zum Nachbarstaat Chhattisgarh. Der alte Orient erzeugt in mir noch immer ein ganz eigenes, urtümliches Gefühl der Fremdheit, welches meine Neugierde stets aufs Neue entfacht. Angetrieben durch das Verlangen nach Veränderung und der Angst des Stillstandes, der Sehnsucht nach der Fremde und der Suche nach Geborgenheit, habe ich mich wohl auf ein Leben zwischen zwei Welten – wie sie unterschiedlicher nicht sein können – eingestellt. Stets an meiner Seite ist meine Frau Anke, die immer ein Ausgleich für mich ist und geduldig meine Unruhe erträgt.

In Vishwaneedam („Wo das Universum wächst“) wird Ananta Putel, unser indischer Freund seine Vision von einem besseren Orissa verwirklichen. Seine Biographie liest sich wie die Geschichte des aufstrebenden Indiens. Mit 15 geht er nach Delhi, nachdem drei seiner sechs Geschwister gestorben sind. Seine Familie war arm. In der Riesenmetropole verbringt er als Straßenjunge seine pubertäre Zeit, verdient sich mit Betteln Geld und jobbt hier und da, um überleben zu können. Ein guter Freund finanziert ihm sein Studium der Philosophie, später wird er noch Französisch lernen. Mit diesem Wissen arbeitet Mister Putel für internationale Firmen, verdient Geld und gewinnt tiefe Einsichten. Das Leben in der Stadt befriedigt den jungen Ananta nicht mehr, ihm kommen Zweifel an der Realität und er besinnt sich auf seine Herkunft. Er hat Sehnsucht, spürt Hoffnung. Schließlich kauft er vom Ersparten Land in Orissa und gründet zusammen mit seinem Freund Mahadev den Vishwaneedam Ashram. Heute leben hier drei Familien zusammen und betreiben Farm- und Viehwirtschaft. Die Gaiatreeschool
wurde im letzten Sommer mit unserer Unterstützung und der Hilfe vieler unserer Freunde gegründet. „Ich bin überzeugt, dass unser Wirken auf die eine oder andere Weise einen Einfluss auf die Welt insgesamt haben wird“, sagt er voller Überzeugung und mit dem typisch indischen Kopfrollen, was weder ja noch
nein bedeutet.

Es ist gerade 1 Uhr mittags Moskauer Zeit. Meine Gedanken wandern nach Hause. Im tschechischen Hradek nad Nisou wird gerade das Benefizkonzert der Schkola-Schulen eröffnet. Die Kinder warten sicherlich schon aufgeregt auf ihren Auftritt. Jede der neun Einrichtungen des Verbundes beteiligt sich an dem bunten Programm zur Begrüßung des neuen Jahres. In diesem Jahr werden die Einnahmen der indischen Partnerschule in Vishwaneedam zugutekommen. Für mich geht eine Vision in Erfüllung.
vollständiger Artikel in der SZ vom 27.01.2011
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Moderne Pädagogik statt Prügelstrafe

Von Nathalie Klüver

Schüler zur Ruhe bringen, ohne sie zu schlagen? Für viele indische Lehrer kommt das einer pädagogischen Revolution gleich. Doch da müssen sie durch: Entwicklungshelfer wollen in Indiens Schulen modernen Unterricht voranbringen. Denn die Zahl der Schulabbrecher ist erschreckend hoch.

Quelle: Spiegel online
http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,703414,00.html
reformpaedagogik_statt_pruegel_spiegel.pdf
(ca. 126.3 kByte)

Meister des Nichts

Quelle: Spiegel Online
meister_des_nichts_spiegel.pdf
(ca. 172.6 kByte)

Gaiatree Yoga in Thailand

Ausbildung+++Meditation+++Ferien Januar/ Februar 2020

2020: Yoga - Lehrer- Ausbildung in Thailand

5. Januar bis 2. Februar 2020

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